Ich war wieder bei Robert Pacher im little talks Podcast. Es wurde ein Gespräch über etwas, das mich gerade sehr beschäftigt: Wie behält man Klarheit, wenn sich Technologie schneller verändert, als man sie einordnen kann?

KI ist dafür ein gutes Beispiel. Sie ist ein mächtiges Werkzeug. Aber sie ist nicht intelligent im menschlichen Sinn. Ein Sprachmodell vervollständigt auf Basis von Wahrscheinlichkeiten Texte. Es hat keine Haltung, kein Gewissen, keine Verantwortung.

Ich mag dafür das Bild vom besseren Staubsauger. Nützlich, oft erstaunlich gut, manchmal transformativ. Aber kein Gegenüber, dem man Urteil oder Beziehung überlassen sollte.

Der Begriff Clanker kommt aus Star Wars, wo er Kampfdroiden bezeichnet. Als bewusst unromantischer Name für Sprachmodelle ist er hilfreich: Er erinnert daran, dass wir es mit einer Maschine zu tun haben, nicht mit einem Wesen. Wikipedia hat den erstaunlich ausführlichen Eintrag dazu.

Gerade diese Vermenschlichung macht mir Sorgen. Wenn wir Maschinen um Rat für Beziehungen, Einsamkeit oder Entscheidungen fragen, bekommen wir Antworten, die darauf optimiert sind, plausibel und hilfreich zu wirken. Nicht zwingend wahr, gut für uns oder frei von den Interessen der Firma dahinter.

Souveränität ist kein Technikprojekt allein

Im Gespräch geht es deshalb auch um Sovereign AI: Modelle und Systeme, die wir lokal oder zumindest unabhängig von einzelnen Konzernen und geopolitischen Interessen einsetzen können. Das ist für mich kein Rückzug aus der Welt. Es ist die Fähigkeit, handlungsfähig zu bleiben.

Die technische Seite fasziniert mich. Mindestens ebenso wichtig ist aber die persönliche Souveränität. Was passiert, wenn Strom, Internet oder ein einzelner Anbieter ausfallen? Und was passiert, wenn wir uns so sehr an einen endlosen Feed oder einen immer zustimmenden Agenten gewöhnen, dass wir unsere eigene Urteilskraft kaum mehr trainieren?

Klarheit braucht Leerlauf

Meine Gegenbewegung ist erstaunlich untechnisch: Geräte weglegen. Nicht sofort die nächste Zusammenfassung lesen. Die Langeweile zulassen, bis sie unangenehm wird.

Ein Buch langsam lesen. Draußen sein. Zeit haben, bis die Gedanken nicht mehr nur Reaktion auf den nächsten Reiz sind.

Das ist kein Nostalgieprogramm. Es ist Arbeitsfähigkeit. Die wichtigsten Entscheidungen entstehen bei mir selten im maximalen Input. Sie kommen, wenn der Kopf genug Raum hat, Dinge zu verbinden.

Erfolg anders messen

Im Podcast sprechen wir auch darüber, was Erfolg eigentlich heißt. Für mich geht es weniger darum, möglichst viel zu besitzen oder möglichst schnell zu wachsen. Es geht um Erfüllung und um Wirkung: eine Veränderung anzustoßen, die ohne mich nicht passiert wäre und die in eine bessere Richtung geht.

Seit etwa fünf Jahren begleitet mich dabei eine einfache Frage:

Wie schaut eine Welt aus, die für alle funktioniert?

Sie ist kein Rezept. Aber ein brauchbarer Maßstab. Für die Frage, welche Ressourcen ich verbrauche. Für die Produkte, die ich baue. Für die Technologie, die ich unterstütze. Und dafür, wie ich mich im Kleinen verhalte.

Die ganze Folge mit Robert Pacher gibt es hier: little talks #351. Besonders die Passage über KI und Vermenschlichung beginnt bei 21:23, die Frage nach einer Welt, die für alle funktioniert, bei 40:49.